Was ist Kunsttherapie?

Ganz vekürzt und doch etwas kompliziert gesagt: Kunsttherapie versucht die Bewusstheitserweiterung bezüglich eines persönlichen Themas durch die Wahl verschiedener Medien/Übersetzungen und die anschließende therapeutische Kommunikation über das Erlebte und seine Folgen für die Zukunft.
Anders gesagt, ist Kunsttherapie zunächst einmal Anleitung zu etwas.
Wenn man Menschen dazu anleitet, gestalterisch tätig zu werden, ist dies per se heilsam. Es findet ein Prozess der Bewusstheitserweiterung statt, wenn man seine Gedanken, seine Hände, seinen Körper und ein Material interagieren läßt.
Auch die Verlangsamung und Konzentration, die zugleich immer auch eine Ablenkung von eigenen Grübeleien und Fixierungen ist, wirkt therapeutisch.

Im Normalbetrieb einer Klinik oder Beratungsstelle, wo sehr wenige Kunsttherapeuten und sehr viele Patienten oft nur für sehr begrenzte Zeit aufeinandertreffen und sich wenig persönliche Beziehung entwickeln kann, geschweige denn ein schlüssiger thematischer Faden, kommt die sogenannte Kunsttherapie oft nicht über das Stadium eines "Anleitens zu freien Basteln" hinaus - aus verständlichen Gründen. Und immerhin...

Interessanter wird es schon, wenn therapeutisch relevante Komplexe bearbeitet werden. Dabei kann man einfach ein Thema vorgeben, etwa eine Emotion wie "Angst" oder einen Begriff wie "hilfreiche Nähe". Elegant und dann im recht eigentlichen Sinn therapeutisch ist es aber, das Thema gemeinsam mit den Klienten herauszuarbeiten und dann zu einer bestimmten, personalisierten und jetzt schon "vorgeglühten" Fragestellung einen gestalterischen Prozess zu starten. Auch hier wird durch die Übersetzung von Ideen und Gefühlen in ein anderes Medium als Sprache eine weitere Bewusstheit des Problemfeldes erreicht und Lösungen denkbar.

Der eigentlich zentrale und bewusstheitserweiternde Vorgang wird in dieser Ausbildung in der Verwörterung und Weiterbearbeitung eines Werkes im Dialog gesehen. So wird den Teilnehmern - neben den künstlerischen Methoden - vor allem das Handwerkszeug der therapeutischen Kommunikation nach den Prinzipien der Gestalttherapie vermittelt. Dies geschieht in aufgabenorientierten Klein- und Großgruppen und durch Demoarbeiten der Seminarleiter.

Man kann sich ja fragen, wie Psychotherapie und ganz besonders Kunsttherapie denn überhaupt funktioniert, wie ohne Stahl und Drogen Heilung möglich sein soll und wie man nur durch Worte, Reden und Denken gesund werden kann. Geht man aber davon aus, dass dies möglich ist, einfach nur durch eine bestimmte Art des Erkennes und Lernens, dann landet man üblicherweise bei Begriffen wie "in seinem Zusammenhang erkennen", "etwas ganzheitlich begreifen" und "ein Verhalten experimentierend lernen". Eine Mischung also aus "neue Gedanken denken", "neue Zusammenhänge begreifen" und "neues Verhalten ausprobieren und erlernen".

Alle diese Schritte fördert Kunsttherapie nicht nur mittels der Sprache und Zuwendung durch den Therapeuten, sondern zusätzlich durch das Tun und durch die Konfrontation mit dem Material und dem permanenten Hin- und Herübersetzen von Kunstwerk zu Sprache zu Kunstwerk und so weiter.

Man erzielt also als Kunsttherapeut sofort verschiedene heilsame Efffekte. Durch intensives Kommunikationstraining, differenzierte Kenntnis von Krankheitsverläufen und viel Praxis wird man sicherlich treffsicherer, krisenfester und vielfältiger - wirksam ist die Methode aber von Anfang an. Unser Ziel ist es also vor allem, den Teilnehmern die Praxiserfahrung und das Selbstbewusstsein mitzugeben, schon während der Ausbildung kunsttherapeutisch tätig zu werden.

 

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